„Gutes geschieht nicht von selbst.
Wir müssen uns dafür schon ein bisschen anstrengen.“
(Dalai Lama)

Liebe Freunde und ihr alle, die ihr unser Projekt unterstützt,

zurück sind wir schon lange und es ist höchste Zeit, von unserem Aufenthalt in Nepal und Pelmang zu berichten.

PDF mit Fotos smiley

Wir – das waren in diesem Jahr Kerstin Schumann, Simone Niedrig, Howard Konick und ich – sind vielfach aufgeregt gestartet. Zum einen wussten wir gar nicht, was uns im erdbebenerschütterten Nepal erwartet, zum anderen machte sich die freudige Erwartung, das erste Mal Ärzte im Team in die so schwach entwickelte Region um Pelmang zu bringen, bemerkbar. Aber der Reihe nach …

Wir waren bei der Ankunft überwältigt, welche Kraft die Menschen schon in die Beseitigung der Erdbebenschäden gesteckt hatten. In Teilen Kathmandus kann man kaum noch erahnen, dass das schwere Beben erst ein Jahr zurückliegt,
an anderen Stellen, wie z. B. hier in Boudnath, treibt es einem die Tränen in die Augen. Auch entlang unseres Wanderweges nach Pelmang konnten wir die Zeugen des Bebens sehen.

Zunächst galt es jedoch in der Hauptstadt Kathmandu in zwei Tagen noch einige organisatorische Meetings zu absolvieren und einzukaufen – mehrere Kilo Wolle für die Frauen im Dorf und Schulrucksäcke für die Patenkinder. Außerdem hatten wir u.a. an die 500 Zahnbürsten, Zahnpasten, Verbandsmaterial, Brillen und jede Menge Kleidung für die Menschen in Pelmang im 160 kg schweren Gepäck aus Deutschland. Die erstmalige Realisierung eines Medizincamps in unserer Projekt-region stand nun unmittelbar bevor. Medizinisches Personal, Material und dessen Transport sowie die Umsetzung des Camps im Dorf wurden von unseren befreun- deten nepalesischen Projektverantwortlichen und unserer nepalesischen NGO (Non-Governmental Organisation) „Helping Hands for Developing Pelmang“ organisiert.

Mittels Bannern, Plakaten und sogar Radio-Werbung war unser Camp im Vorfeld in der Region beworben worden, da dieses Angebot zwecks medizinischer Grund- versorgung nicht nur neu für uns war, sondern auch für die Einheimischen, die zu einem großen Teil wohl vorher noch nie einem Arzt begegnet sind.
Die Resonanz war überwältigend: die Patienten nahmen Fußmärsche von bis zu 4 Stunden auf sich, um nach Pelmang zu kommen und sich untersuchen zu lassen. So konnten wir vor Ort mit 6 nepalesischen Ärzten innerhalb von 4 Tagen 1.078 Patienten versorgen. 7 Männer aus dem Dorf transportierten alle benötigten medizinischen Mittel und natürlich auch unsere materiellen Spenden für das Dorf. Ca. 90 kg hatten sie zu bewältigen.

Die Atmosphäre unter den Menschen vor der örtlichen, nun fast vollständig fertiggestellten Primary School …

(Schul- und Sitzmöbel, Spielgeräte auf dem Schulhof und das Lehrerzimmer wurden durch Dorfbewohner in diesem Jahr geschaffen; Glasfenster wurden eingesetzt und das Gebäude mit einem Außenanstrich versehen. Verbleibende Ausbes-serungen, Toiletten mit Wasserspülung und Waschbecken sind für dieses Jahr vorgesehen)

… und vor den nach dem Erdbeben von der Regierung errichteten Wellblech-Baracken war von gegenseitigem offenem Respekt geprägt. Vor den (wenn überhaupt vorhandenen) Türen der Allgemein-, Kinder-, Zahn- und Augenärzte sowie der Gynäkologin und des Apothekers bildeten sich drängende Menschen-schlangen. Auf dem Schulhof wurden die Patienten registriert, gewogen, Puls und Blutdruck wurde gemessen. Kerstin, die „frischgebackene“ Krankenschwester, konnte hier das Ärzteteam 4 Tage lang hilfreich unterstützen. Der augenärztliche Sehtest wurde durchgeführt.

Buntes Treiben am neu errichteten Spielplatz. Mit Häkeln, Stricken, Brennnessel- fäden spinnen, ja, und auch mit Rauchen und aufmerksamer Beobachtung der sich in Behandlung befindlichen Patienten verkürzten sich die Menschen die Wartezeit.

Die Ärzte untersuchten die Patienten selbstständig, Kenntnisse sowohl der nepalesischen als auch der stammeseigenen Rai-Sprache waren dabei notwendig. Der ärztlicherseits sehr offene Kontakt zu uns erfolgte auf Englisch. Grundlegend, so erfuhren wir, leiden die Menschen der Region an Erkrankungen der Augen, Atemwege, Haut (inkl. Läusen und Skabies/Krätze), des Magen-Darm-Trakts sowie an Muskel-Gelenk-Beschwerden und Zahnerkrankungen.
Symptome westlicher Wohlstands-/Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Übergewicht, Stoffwechselstörungen sind rar. Kinder sind oftmals von Schwer- hörigkeit u.a. Komplikationen im Zusammenhang mit Infektionen im HNO-Bereich betroffen.

Unerwartet – jedoch erfreulich – war ein ethisches Abwägen über die Finanzierung von Anschlussbehandlungen spezieller Erkrankungen und Verletzungen insbesondere in Spezialkliniken in Kathmandu seitens unseres Vereins nur in 6 Fällen erforderlich. Fällt es uns schon in Deutschland unter den uns vertrauten Rahmenbedingungen unendlich schwer, solche Entscheidungen – vielleicht sogar über Leben und Tod – zu treffen, so gilt es in Nepal umso mehr, zu vertrauen und darum zu bitten, dass der Patient noch rechtzeitig die Klinik erreicht und die notwendige Diagnostik und Therapie erhält. So konnten 3 Patienten durch eine entsprechende OP in Kathmandu das Krankenhaus bereits geheilt verlassen. Leider schaffte es ein Mädchen durch die fortgeschrittene TBC nicht.

AUSBLICK 2017:
Die in der Bergregion Pelmang vorgefundenen Krankheitsbilder gründen sich derzeit vor allem auf die mangelnde Infrastruktur in Form gesicherten Trinkwassers
(Hier sind wir weiter dabei, die begonnene Versorgung der Häuser mit sauberem Wasser voranzubringen. Die Lage des Dorfes in den Bergen fordert uns dabei gut heraussmiley) sowie kontrollierter Abwasser- und Fäkalienkanalisation. Es mangelt an einem Zugang zu medizinischer Versorgung im Akutfall, an Gesundheitsvor-sorge/Prophylaxen und persönlicher Hygiene. Die einseitige Ernährung, tradierte Lebensweisen und -anschauungen (z.B. Öfen ohne Abzug in den Häusern) tun das Übrige. Aber auch durch nicht vorhandenes Wissen und Erkenntnis über den Zusammenhang von hygienischer oder zumindest sauberer Lebensführung und Gesundheit/Gesunderhaltung kommt es zu einer Vielzahl von Problemen.

So gilt es, bei den Einheimischen „Samen des Bewusstseins“ für mögliche persönliche Gesundheitsvor- und -fürsorgemaßnahmen zu säen, sie schrittweise für Verbesserungen und Neuerungen in ihrem traditionellen Lebensalltag zu öffnen. Unmittelbar nach Abschluss unseres diesjährigen Medizincamps sind wir mit all den Eindrücken, Erfahrungen und „Berührtheiten“ daher mutig in die Voraus-planung für das nächste Gesundheitscamp im Frühjahr 2017 gegangen.

Natürlich möchten wir auch alle anderen Aktivitäten noch kurz erwähnen:
* Unsere Briefpatenschaften konnten wir weiter pflegen und es sind jährlich mehr
Kinder in Deutschland und Nepal, die gern in Austausch treten möchten.
* Wir freuen uns ganz besonders, seit April 2016 die Schulbildung von nun schon
insgesamt 14 Patenkindern unterstützen zu können.
* Besonders erwähnenswert ist das Engagement verschiedener Schulklassen,
die durch Kuchenbasare das Schulgeld erwirtschaften. Aber natürlich freuen wir
uns auch über die Unterstützung durch Einzelpersonen.
* Wir finanzieren weiter einen Grundschullehrer und den Naturwissenschafts-
lehrer an der Secondary school.
Letzterer wird im kommenden Jahr u.a. am
Umweltbewusstsein (Müll entsorgen, Bäume pflanzen) arbeiten.
* Auch in diesem Jahr konnten wir die Strickkünste einiger Frauen bewundern
und die Wolle wurde gern für neue Kreationen entgegengenommen.
* Auch die Saaten fanden ihre Besitzer.
* Die viele schöne Bekleidung wurde vorwiegend an die Kinder vor Ort verteilt
und die zahlreichen von Simone organisierten Vitamine sorgen inzwischen
hoffentlich für stabile Gesundheit.

Während unserer Reise haben wir wieder viele nepalesische Gesichter und Impressionen eingefangen. Sie werden uns Begleiter sein und uns in unserem Tun immer wieder motivieren.

Unser größter Wunsch ist es, den Menschen in und um Pelmang 2017 ein weiteres Medizincamp zu ermöglichen. Natürlich sind es auch die anderen Dinge, wie die endgültige Fertigstellung der Schule, das Trinkwassersystem, die Versorgung unserer Patenkinder und die Unterstützung der Lehrer sowie die unermüdliche Arbeit an der Etablierung rauchfreier Öfen im Dorf, die unsere Aufmerksamkeit fordern. Ja, und Vision bleibt auch die Errichtung eines Healthpoststützpunktes in Pelmang. Aber langsam, langsam smiley

Wir möchten uns an dieser Stelle von Herzen für eure Unterstützung und auch euer Vertrauen in unser Tun bedanken. Wir sind tief erfüllt von der Dankbarkeit der Menschen in Nepal und möchten dieses Gefühl gern an euch weitergeben.

Namaste

Danke – Dondebat – Ollunewe

Katrin Götz
Im Namen des Görlitz-Pelmang e.V.